Jodlermesse «Bhüet euch» in der Schlosskirche Interlaken

 

Es kommt selten vor, dass eine Kirche keine freien Plätze mehr anzubieten hat für Gottesdienstbesucher. So geschehen am Sonntagnachmittag, 13. November als die Schlosskirche schon lange vor Beginn der Aufführung der Jodlermesse «Bhüet euch», komponiert von Marie Theres von Gunten, Beatenberg, vollständig besetzt war und viele Menschen wieder nach Hause gehen mussten.

 

Genau nach dem vierten Schlag der Turmuhr wurde es still in der Kirche und feine Töne aus der mächtigen Orgel durchfluteten den Raum. Prof. Helmut Freitag spielte den Auftakt und ebenso geheimnisvoll übernahm die Dirigentin des Oberländerchörlis Interlaken, mit ihrer einzigartigen Jodelstimme, liebenswürdig aber bestimmt die gesangliche Leitung. Von da an war «der Himmel offen». Die phantastischen weiteren Jodlerinnen und schliesslich der ganze Chor hiessen die mehreren hundert Besucherinnen und Besucher mit einem warmen, herzlichen «Grüess euch Gott» willkommen. Das Besondere an dieser Jodlermesse ist das wunderbare Zusammenspiel der Orgel mit dem Jodelchor. Wolfgang Sieber, Komponist des Orgelparts, hat es verstanden, zusammen mit der Jodelliederkomponistin ein einzigartiges Werk zu schaffen, welches die volkstümlichen Elemente im Walzertakt und den aussagekräftigen Wortteil homogen verbindet. Dem Textverfasser, Jules Walthert, Bruder der Dirigentin, ist es gelungen, die christliche Philosophie des neuen Testaments so darzustellen, dass sie religionsübergreifend, ökumenisch und zeitlos stimmt. Pfarrer Winzeler hat mit seiner kräftigen Stimme die kurzen Texte und Fürbitten, die eben auch zu einem Gottesdienst gehören, sehr würdevoll, glaubhaft vorgetragen. Chor, Organist und Sprecher bildeten eine wunderbare Einheit. Das neun Lieder umfassende Werk ist, wie alle klassischen Kompositionen, der Liturgie angepasst. Der grosse Unterschied zu diesen Werken ist die Fröhlichkeit, das Jubilieren der Jodelstimmen und die Verständlichkeit der Aussage. Der Orgelteil erinnert zeitweise an eine Dorfchilbi. Gleichzeitig kommt die Königin der Musikinstrumente von den feinsten und höchsten Tönen bis zur brausenden Vollregistrierung so zur Geltung, dass die Zuhörer einfach seelentief ergriffen werden. Andrerseits hat der Komponist kleine «Gags» eingebaut, die zum schmunzeln oder sogar lächeln anregen. Helmut Freitag hat diese Details voll im Sinne des Komponisten übernommen und die Orgel wirklich meisterhaft ertönen lassen.

 

Wer dieser Jodlermesse beiwohnen durfte, dem ist zweifellos aufgefallen, dass das Oberländerchörli, zusammen mit ein paar zusätzlich unterstützenden Sängerinnen und Sängern eine vorbildlich kameradschaftliche Einheit bilden. Die Jodlermesse wirkt schlicht glaubwürdig. Ein weiteres Beispiel dieser Einigkeit wurde durch den Auftritt der Co-Präsidentin, Carine Beeler, noch unterstrichen. Von der Kanzel richtete sie mit warmherziger, fröhlicher Ausstrahlung die Dankesworte an alle, die am vorzüglichen Gelingen dieses Auftritts beigetragen haben. Mit einem unvergesslich bleibenden «bhüet euch Gott», einer «standing ovation» und der Wiederholung der letzten Strophe des Schlussliedes als Zugabe, wird dieses Erlebnis in die Vereinsgeschichte des Oberländerchörlis eingehen.

 

Der eigentliche Abschluss bildete das Verlassen eines glückstrahlenden, dankbaren Publikums aus der Kirche, hinaus in den nebligkalten Sonntagabend.

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Singst Du gerne? Dann schau doch einfach bei einer unserer Proben vorbei. Wir treffen uns jeweils am Montag um 19:00 Uhr im Zentrum Artos, Alpenstrasse 45, Interlaken zur Chörliprobe. Du bist herzlich willkommen!

 

Weitere Auskunft: Carine Beeler-Michel 078 631 83 05, Marie Theres von Gunten 033 841 19 84 oder www.oberlaenderchoerli.ch